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Ammern

Kulturgut mit Hörnern

Seit 1997 führen Helmut Kiechler und Karolin Wirthner im Weilern Ammern bei Blitzingen einen Landwirtschaftsbetrieb, seit 2004 züchten sie hier auch das vom Aussterben bedrohte Evolener Rind, eine alte einheimische Rasse aus dem Eringtal (Val d’Hérens), die nicht selten mit der kampffreudigen Eringerrasse verwechselt wird. In Ammern hört die Stammkuh der kleinen Truppe von Evolener Rindern auf den Namen Sierra. Von ihr und von ihren Töchtern stammen alle sieben Tiere, die heute auf den Wiesen rund um den Weiler weiden.

Auf die Frage nach seinem Lieblingsgegenstand im Freilichtmuseum Ammern antwortet Helmut, eigentlich sei es das Evolener Rind, das ja eines der ältesten Walliser Kulturgüter sei. Helmut führt uns auf die Weide, zu Sierra, und erklärt: „Letzten Sommer, oben auf der Alp Aeginen, da schneite es im August 20 Zentimeter und so mussten wir hinauf, um nach dem Vieh zu schauen. Für die drei Eringer Rinder, die ich oben hatte, war der Schnee überhaupt kein Problem. Die hatten den Schwanz im Stutz [gestreckt in der Luft], tollten herum und freuten sich sogar; an einigen Stellen scharrten sie den Schnee fort und fanden etwas zu fressen. Aber die anderen! Da waren an die 50 Stück Braunvieh, die standen da und zitterten. Und wenn wir sie zur Seite schieben wollten, fielen sie teils sogar um im Schnee. Abends gaben meine zwar ein Dezi oder zwei weniger Milch. Doch die anderen hatten 50% weniger Milch.

Man sieht einfach klar, dass diese überzüchteten Turbokühe das nicht mitmachen. Meine haben bei Wind und Wetter oder auch am Hang überhaupt keine Probleme, und Arztrechnungen habe ich auch fast keine. Am meisten aber gefällt mir ihr Charakter: Sierra ist jetzt 11-jährig und im Vergleich zu anderen Rassen fast schon ein Methusalem. Doch ein Kollege von mir hatte sogar eine, die wurde 21, bis sie an einem Herzschlag starb. Andere Rassen werden oft mit fünf, sechs Jahren geschlachtet. Mir sind sie je älter desto lieber. Da zeigen sie erst recht ihren Charakter: Zumm Schtäche sinds Hüerebleger, aber derna ganz fiini [Beim Stechen - zur internen Ausmarchung der Rangordung - sind sie furchtbar hart, doch sonst vollkommen gutmütig].“

Text & Fotos Werner Bellwald, 2009.

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